Plissees auf kubanisch
Sie wissen nicht, was ein kubanisches Plissee ist? Nun, dann sind sie wahrscheinlich noch nie dorthin geflogen. Denn es sind jene Falten, die sich am Hosenboden und in den Kniekehlen bilden, wenn man von Deutschland nach Havanna stundenlang wie eine Sardine im Flugzeug der kubanischen Fluggesellschaft Cubana de Aviación eingezwängt ist. Vor allem in den klassischen weißen Leinenhosen, die man extra für den Urlaub auf Kuba gekauft hat, sind sie während des gesamten Urlaubs nicht mehr rauszukriegen. Selbst durch Waschen und Bügeln nicht.
Das Schlimme daran ist, dass man sie selbst gar nicht bemerkt, sondern nur die Leute, die hinter einem laufen. Anstatt sich also über die Falten am Hosenboden anderer Leute zu amüsieren, sollte man sich lieber fragen, ob man nicht selbst ein paar Plissees mit sich rumträgt. Mit der Zeit gewöhnt man sich aber dran. Denn das, was im Flugzeug durch Zeit und Gewicht in den Stoff gepresst wird, erledigt von nun an die Hitze und die Feuchtigkeit. Auf Kuba ist es immer heiß und man ist ständig am Schwitzen. Natürlich auch am Po und in den Kniekehlen. Und sobald man sich irgendwo hinsetzt, wird der Stoff wieder zu kubanischen Plissees zusammengepresst. Die einzige Möglichkeit diesen Anblick einmal loszuwerden, ist an den Strand zu gehen. Denn da trägt keiner mehr lange Hosen oder Kleider, sondern knappe Bikinis und Badehosen.
Eine andere Sorte von kubanischen Plissees findet man bei Markisen. Nämlich dann, wenn die Markisentücher nicht gleichmäßig auf die Rolle gewickelt werden, sondern irgendwie schief oder mit unterschiedlicher Spannung. Dann entstehen im Markisenstoff nämlich ebensolche Falten, wie sie beim Rollen der Tabakblätter beim Drehen der Havannazigarren entstehen. Auf Kuba sieht man es deshalb nicht als Qualitätsmangel an, wenn eine Markise etwas schief und faltig gewickelt ist, sondern freut sich sogar, wenn andere rufen: Hey, deine Markisenrolle sieht ja aus wie eine bunte Zigarre!